Ökologischer Fußabdruck im Bau

Beim Bauen haben derzeit synthetische Materialien bei der Gebäudeabdichtung, Sanitär- , Elektro- und Heizungsinstallation ihre besondere Berechtigung. Zwar gibt es zum Beispiel seid langem funktionsfähige aus Holz gebaute Dachrinnen und Wasserleitungen, Fundamente im Wasser- und Erdbereich und sogar Kamine aus Holz, doch in der gängigen Baupraxis haben diese Varianten für die heutigen Gebäude und Anlagen aus Gründen der Haftung, der Verfügbarkeit im Handel und der fehlenden Erfahrung in der Anwendung nahezu keinerlei Bedeutung.

Zur Herstellung synthetischer Materialien ist jedoch in der Regel ein hoher Energieverbrauch erforderlich. Für das Erstellen von Anlagen und Gebäuden mit solchen Baustoffen und Installationen ist die dazu aufgewendete gesamte Energiebilanz letztendlich oft höher als die eigentlich erhoffte Ersparnis durch die jeweilige Funktion des Bauteils. Man bilanziere beispielsweise einmal bei Batterien, Solarpaneelen oder hochwirksamen Dämmungen, die wiederum nur funktionieren, wenn Folien, Kleber und Dichtungen aus energieintensiver Industrieproduktion Verwendung finden. Nicht nur beim Blick auf die Skyline von Frankfurt-„Mainhatten“ zeigt sich: vielfach sind bei unseren heutigen Bauten aufwendige Klima- und Lüftungsanlagen als technische Lösungen unausweichlich, um diese Anlagen und Gebäude überhaupt nutzen zu können.

Die Vorteile „moderner Baustoffe“ liegen einerseits zwar klar bei der Verfügbarkeit, Anwend­ungs­erfahrung, Bequemlichkeit und Montagekostenersparnis. Andererseits gilt: bei der Verwendung von Naturstoffen ist die benötigte Energie zur Herstellung von Anlagen und Ge­bäuden in erster Linie dem Transport und der mechanischen Bearbeitung geschuldet. Eine spätere Veränderung und Beseitigung von Bauteilen dieser Art ist dabei weniger intensiv als bei synthetisch produzierten Bauteilen, die nach der Nutzung energieaufwendig wieder verfügbar gemacht werden oder – weil ohne Folgenutzungsmöglichkeit – deponiert / sonderdeponiert werden müssen. Sie verlassen den Energiekreislauf; die einstmals aufgewendete Herstellungs­energie wird zum Verlustposten; die Ökobilanz für diese Stoffe verschlechtert sich.

Weil sich aber die Bautechniken ständig verändern, sind die Bauteile aus synthetischen Materialien und Verbundwerkstoffen nicht wirklich zukunftssicher. Die Folge: Relais, Schalter, Stromkabel, Abwasserrohre, elektronische Steuerungen bedürfen entweder aufwendiger Recylingprozesse und Spezialbehandlungen oder erzeugen erhebliche Deponie- bzw. Entsorgungskosten. Dennoch bereiten sie Sorgen für die Zukunft. So sprechen viele schon von einem „Styropor-Dämmwahn“ in der Baubranche, denn spätere Generationen auszubaden haben.